In jedem Januar kleidet sich der Bauch von Lyon in Gold und Blätterteig. Unter den Gewölben von Part-Dieu entfachen die besten Häuser die süßeste aller Traditionen.
Schon in den ersten Januartagen erfasst eine besondere Aufregung die Gänge von Les Halles de Lyon Paul Bocuse. Vergoldete Auslagen, der Duft von Mandel und Butter, glänzende Papierkronen: Das Dreikönigsfest hält Einzug im drittbesten Markt der Welt, eine Auszeichnung des Magazins Food & Wine. Ererbt von einem Brauch, der bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts belegt ist, findet das Königsfest hier einen seiner Geschichte würdigen Rahmen.
Die großen Häuser des Marktes wetteifern im Können. Bei Sève wird der Blätterteig in den Lyoner Werkstätten von Hand bearbeitet, gefüllt mit einer Mandelcreme aus spanischen Mandeln und überzogen mit jenem glasierten Sirup, der die Signatur des Hauses ist. Bei Pignol trifft Frangipane aus roher Mandel auf einen umgekehrten Blätterteig, während die Porzellanfiguren zu Sammlerstücken werden und die Wahrzeichen Lyons feiern.
Denn die Galette ist nicht bloß Genuss: Sie wird geteilt. Das jüngste Mitglied der Runde schlüpft unter den Tisch, um die Stücke zuzuteilen, alle suchen die versteckte Figur, und der König oder die Königin des Tages wird gekrönt. In Lyon, dem Land der Frangipane, wird dieses warmherzige Ritual mit jener Großzügigkeit gelebt, die der Hauptstadt der Gastronomie eigen ist.
Durch Les Halles im Januar zu schlendern heißt, diese Begeisterung mit einem einzigen Blick zu kosten. Von einem Stand zum nächsten stellt man sein Dreikönigsfest zusammen wie ein Festmahl, sicher der Qualität des Produkts und der Geste des Handwerkers. Der Schirmherr Paul Bocuse, dessen hundertster Geburtstag 2026 gefeiert wird, hätte dieses Bild geliebt: ein lebendiger Markt, auf dem die Tradition genossen wird, Schicht für blättrige Schicht.
