Von der morgendlichen Auster bis zur Praline am Nachmittag: Folgen Sie dem Faden eines perfekten Tages im Herzen des „Bauches von Lyon". Ein Spaziergang für die Sinne unter den Handwerkern, die Les Halles de Lyon Paul Bocuse zum drittbesten Markt der Welt machen.
Der Morgen lässt sich hier genießen wie nirgendwo sonst. Sobald die Türen öffnen, setzt man sich vor eine Platte jodhaltiger Austern und ein Glas gut gekühlten Weißwein, jenes Lyoner Ritual, das die Stammgäste „mâchon" nennen. Ringsum ziehen sechzig Handwerker ihre Rollläden hoch: Kaffeeduft, goldene Brioches, Stände mit Fisch, der wie polierte Kiesel glänzt. Es ist die ideale Stunde, um die Seele eines überdachten Marktes einzuatmen, der 1971 entstand und 2007 zu Ehren von Paul Bocuse umbenannt wurde, der hier seine Erzeugnisse selbst aussuchte.
Der späte Vormittag lädt zum Bummeln zwischen den Theken ein. Bei la Mère Richard ist der zerlaufende Saint-Marcellin eine echte Institution; etwas weiter entrollt die Charcuterie Sibilia Rosettes und Jésus wie lauter Juwelen. Man treibt zur Maison Bobosse, Hüterin der mit der Schnur gebundenen Andouillette, und dann zu Giraudet, dessen von Hand geformte Quenelles allein schon das Lyoner Genie zusammenfassen.
Wenn der Mittag kommt, wird die Qual der Wahl zum Vergnügen. Ein à la minute angebratenes Charolais-Rippenstück, ein perfekt gebratenes Bresse-Geflügel oder einfach eine an der Theke geteilte Meeresfrüchteplatte: Das Kochen wird zum Schauspiel, getragen von Handwerkern, von denen mehrere Meilleurs Ouvriers de France sind.
Der Nachmittag klingt sanft aus. Man gibt den rubinroten Pralines nach, den Schokoladen der Maison Sève, einem Signatur-Gebäck, das man in seinem Etui mitnimmt. Fast eine Million Genießer durchstreifen jedes Jahr diese Gänge: Ein einziger Tag genügt, um zu verstehen, warum.
