Jeden Morgen zieht der Ozean bis ins Herz von Lyon. Auf den eisbedeckten Ständen von Les Halles de Lyon Paul Bocuse richten die Fischhändler einen lebendigen Fang an, Spiegel eines über Generationen weitergegebenen Könnens.
In Les Halles de Lyon Paul Bocuse kommt das Meer vor dem Tagesanbruch an. Lange vor der Öffnung werden die Kisten geleert, und die Stände bedecken sich mit Crusheis, auf dem mit der Angel gefangener Wolfsbarsch, Seezunge, Steinbutt, Rotbarbe und Petersfisch in perlmuttartigem Glanz ruhen. Im «Bauch von Lyon» dirigieren die Fischhändler dieses Ballett aus Jod mit der Präzision eines Uhrmachers und lassen die hohe See und die Lyoner Tafel am Fuße von Part-Dieu in einen Dialog treten.
Hier hat der Fang einen Namen und eine Geschichte. Maison Pupier, seit 1947 in den Halles ansässig, bleibt eine der sinnbildlichen Adressen des Marktes: Hier wählte Paul Bocuse seinen Fisch gern selbst aus. Seezunge, Steinbutt, Rotbarbe und Wolfsbarsch kommen direkt aus La Turballe und der Vendée, während Saiblinge und Hechte aus den Wassern des Genfersees (Léman) heraufgeholt werden. An ihrer Seite genießt die Poissonnerie Durand ebenso großes Ansehen bei den großen Lyoner Gastronomen, mit täglichen Anlieferungen von tadelloser Frische, größtenteils vor der französischen Küste gefangen.
Das Handwerk des Fischhändlers ist eine Kunst der Klinge und des Auges. Mit sicherer Hand löst der Fachmann ein Filet, ohne es zu verletzen, schuppt, nimmt aus und richtet den Fisch her, rät zur richtigen Garung und erzählt die Herkunft jedes Stücks. Viele bieten die Zubereitung auf Wunsch an und leihen dem Kunden die geduldig hinter dem Stand angesammelte Erfahrung.
Vor diesen schimmernden Theken ist das Ritual unveränderlich: ein Blick auf das klare, gewölbte Auge, eine Frage zur morgendlichen Versteigerung, ein geflüsterter Rat. Das ist der Fang des Tages, das ist Lyon, das den Ozean umarmt.
